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Martin Bucer
Vita und Bedeutung

Martin Bucers Vita & Bedeutung und die Zeit Bucers




Martin Bucer als Vermittler zwischen Martin Luther und Huldrych Zwingli.
Josef Ehrismann (1914/1924)
Glasfenster der prot. Kirche in Weitbruch im Elsaß.
Photographie: Pfr. Jean-Pierre Siefer, Weitbruch






Martin Butzer (Bucer) wurde am 11. November 1491 im elsässischen Schlettstadt (Sélestat) geboren, in dessen berühmter Lateinschule er eine Ausbildung im Geiste des oberrheinischen Humanismus genoß. Wirtschaftliche Schwierigkeiten der Familie motivierten den Eintritt des 15jährigen in das Dominikanerkloster seiner Heimatstadt, wo weitere Studien, nun im Sinne der scholastischen Theologie des Thomas von Aquin, folgten. Vom seinem Orden nach der Priesterweihe zu weiteren Studien bestimmt, ließ er sich 1517 an der Universität Heidelberg immatrikulieren. Dort lernte er Martin Luther bei dessen Disputation 1518 kennen und wurde zu einem Anhänger der Reformation. Den Ernst der neuen Überzeugung bekräftigten der mühsam erkämpfte Austritt aus dem Orden (1521) und die demonstrative, in absichtlicher Mißachtung seines noch gültigen Zölibatsgelübdes geschlossene Ehe mit einer ehemaligen Nonne (1522). Die Bezichtigung der lutherischen Predigt sowie des politischen Aufruhrs brachten ihm schließlich die Exkommunikation durch den Speyerer Bischof (1523) ein: Bucer mußte eine nur kurz versehene Pfarrstelle in Weißenburg (Wissembourg) verlassen und im Mai 1523 Asyl in Straßburg suchen.

Zunächst als Pfarrer einer Gemeinde von städtischen Kleinbauern im Randbezirk, danach als Inhaber der einflußreichen Predigerstelle an der (oben abgebildeten) St.Thomas-Kirche, fing Bucer energisch damit an, dem entstehenden evangelischen Kirchenwesen feste Strukturen zu geben, Institutionen für die Bildung der Jugend zu gründen, mit Gegnern der Reformation und Dissidenten innerhalb der Bewegung zu disputieren und sie umzustimmen, theologische und kirchenorganisatorische Gutachten für benachbarte Reichsstädte zu verfassen und schließlich den städtischen Magistrat zu einer umfassenden Erneuerung der gesamten Gesellschaft im Sinne der Heiligen Schrift eindringlich zu ermahnen. So wurde der geflüchtete, gebannte und verheiratete Mönch in wenigen Jahren vom vollkommenen Außenseiter zum maßgebenden Kirchenmann der Stadt und im ganzen südwestdeutschen Raum zu einem gefragten Kirchenorganisator.
Die Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg (1547) und Straßburgs Annahme des kaiserlichen Interims zwangen Bucer, die Stätte seines 26jährigen Wirkens 1549 zu verlassen und einer Einladung nach England zu folgen. Von Cambridge aus, wo er einen Lehrstuhl innehatte, bemühte er sich nun um die Durchsetzung der Reformation in England, starb jedoch schon am 28. Februar 1551.

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Bucers Bedeutung

Die Edition der Deutschen Schriften Martin Bucers ist für die gesamte Epoche der Reformation eines der derzeit wichtigsten Vorhaben, da der Theologe, Kirchenmann, Politiker und Christ zu den wirksamsten Persönlichkeiten der deutschen wie der europäischen Kirchengeschichte zählt.
Bucer hat über die von ihm für verschiedene deutsche Territorien und Reichsstädte entworfenen Kirchenordnungen, die, vermittelt durch Calvin, auch den gesamten reformierten Protestantismus prägen, erhebliche Bedeutung für die Institutionen der evangelischen Kirchen.
Darüber hinaus hat er sich unermüdlich um die Verständigung der Protestanten untereinander und um die mit der katholischen Kirche bemüht, so daß seine Schriften auch für die heutigen ökumenischen Gespräche von Interesse sind. Auch die Anfragen der Vertreter des sogenannten "linken Flügels" der Reformation wurden von ihm ernsthaft bedacht und bei seinem Einsatz für die Einführung der Konfirmation und der Kirchenzucht aufgenommen. Grundlegende Beiträge leistete er ferner zum Verhältnis von Staat und Kirche, insofern er einerseits die Freiheit der Kirche bis hin zu freikirchlichen Erwägungen vertrat, andererseits aber während seiner Cambridger Wirksamkeit die Grundlage für das englische Staatskirchentum legte.

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Die Zeit Martin Bucers

1483 Geburt Martin Luthers († 1546)
1491 Geburt Martin Butzers (Bucers) in Schlettstadt / Sélestat
1492 Christoph Kolumbus entdeckt Amerika. Im Vertrag von Tordesillas (1494) erfolgt die Aufteilung der Neuen Welt in ein spanisches und portugiesisches Kolonialreich.
1495 Reichstag zu Worms: Reichsreform, Schaffung des Reichskammergerichts
1497 Geburt Philipp Melanchthons in Bretten († 1560)
1506 Reuchlin veröffentlicht mit "De rudimentis Hebraicis" das Lehrbuch, mit dem sich die Reformatoren den hebräischen Urtext des Alten Testaments erschlossen haben.
1509 Geburt Johannes Calvins in Noyon/Picardie († 1564)
1514 Papst Leo X. erneuert den Ablaß zum Neubau der Peterskirche in Rom.
1517 95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablaß: Beginn der Reformation
1519 Wahl Karls I. von Spanien zum "Römischen König" Karl V. (Kaiser des "Reichs, in dem die Sonne nie untergeht")
1521 Tod Sebastian Brants in Straßburg (* 1457)
1521 Wormser Reichstag: Luther wird geächtet, seine Schriften werden verboten. Auf der Wartburg übersetzt er das Neue Testament in die deutsche Sprache.
1524/25 blutig niedergeschlagene Bauernaufstände in Südwestdeutschland, Franken und Thüringen
1529 Reichstag zu Speyer: Protest der evangelischen Stände gegen die Beschlüsse des Reichstags ("Protestanten"). Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli (unter Beteiligung von Bucer und Melanchthon): Spaltung der reformatorischen Bewegung
1530 Reichstag zu Augsburg: Kaiser Karl V. werden drei evangelische Glaubensbekenntnisse vorgelegt: die "Confessio Augustana" (verfaßt von Melanchthon), die "Confessio Tetrapolitana" (verfaßt von Bucer) und die "Fidei Ratio" (verfaßt von Zwingli).
1531 Tod Ulrich Zwinglis in Kappel am Albis (* 1484)
1534/35 Täuferreich zu Münster
1536 "Wittenberger Konkordie": Abendmahlsstreit durch Bucer und Melanchthon beendet
1540/41 Religionsgespräche zwischen Protestanten (unter Beteiligung von Bucer und Melanchthon) und Katholiken in Hagenau, Worms und Regensburg
1545 Einberufung des Konzils von Trient: Beginn der Gegenreformation
1546 Tod Martin Luthers
1546/47 Schmalkaldischer Krieg Kaiser Karls V. gegen die protestantischen Reichsstände
1548/49 Augsburger Interim: "Zwischenlösung" für Lehre und Riten. Melanchthon wird wegen seiner angeblichen Kompromißbereitschaft im eigenen Lager angefeindet, Bucer emigriert nach England.
1551 Tod Bucers in Cambridge
1555 Augsburger Religionsfriede: Die Untertanen müssen dem Bekenntnis des Landesherren folgen ("cuius regio, eius religio").

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zum Seitenanfang Last modified: 08 April 2011