Die Forschungsstelle
Bucers
Deutsche Schriften:
Übersicht über die bereits erschienen Bände,
der Ausstellungskatalog
und ein Beispiel
der Handschrift Martin Bucers
Die in Münster gegründete Edition der Deutschen Schriften Martin
Bucers wurde 1958 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und 1980 von
der
Heidelberger Akademie der Wissenschaften übernommen und hat seit 1994
ihren Sitz in Heidelberg. Sie stellt einen Zweig des internationalen
Vorhabens
einer ersten historisch-kritischen Gesamtedition der Werke Bucers dar.
Die lateinischen Werke werden von der Theologischen Fakultät der
Universität Straßburg unter Zuziehung eines international besetzten
Editorenteams herausgegeben; bisher erschienen sind sechs Bände. Die
Herausgabe
der Korrespondenz Bucers (DFG-Projekt) ist an den Universitäten
Erlangen
und Straßburg angesiedelt (www.bucer-forschungsstelle.theologie.uni-erlangen.de);
von den knapp 3000 Briefen sind 499 in den
nun
vorliegenden sechs Bänden (1979 bis
2006) publiziert worden.
Die kommentierte Edition der Deutschen Schriften Martin Bucers umfaßt
derzeit 16 Bände, mit weiteren sieben wird gerechnet. Aufgrund ihres
Umfangs
stellt sie ein langfristiges Unternehmen dar. Kritisch begleitet von
einer
Kommission unter Vorsitz von Professor Dr. Eike Wolgast arbeiten
der
Philologe Dr. Thomas Wilhelmi und der Theologe Dr. Stephen E.
Buckwalter an der
Edition.
|
Band |
Titel |
Erscheinungsort & -jahr |
Bearbeiter |
|
1 |
Frühschriften 1520-1524 |
Gütersloh/Paris 1960 |
Robert Stuppenrich |
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2 |
Schriften der Jahre 1524-1528 |
Gütersloh/Paris 1962 |
Johannes Müller |
|
3 |
Confessio Tetrapolitana und die Schriften des Jahres 1531 |
Gütersloh/ Paris 1969 |
Bernd Moeller |
|
4 |
Zur auswärtigen Wirksamkeit 1528-1533 |
Gütersloh/ Paris 1975 |
Robert Stupperich |
|
5 |
Straßburg und Münster im Kampf um den rechten Glauben 1532-1534 |
Gütersloh 1978 |
Robert Stupperich |
|
6,1 |
Schriften zur Wittenberger Konkordie (1534-1537) |
Gütersloh 1988 |
Robert Stupperich |
|
6,2 |
Zum Ius Reformationis:
Obrigkeitsschriften aus dem Jahre 1535 |
Gütersloh 1984 |
Walter Delius + |
|
6,3 |
Martin Bucers Katechismen aus den Jahren 1534, 1537, 1543 |
Gütersloh 1987 |
Marijn de Kroon |
|
7 |
Schriften der Jahre 1538-1539 |
Gütersloh/ Paris 1964 |
Walter Delius |
|
8 |
Abendmahlsschriften 1529-1541 |
Gütersloh 2004 |
Stephen E. Buckwalter |
|
9,1 |
Religionsgespräche (1539-1541) |
Gütersloh 1995 |
Cornelis Augustijn |
|
9,2 |
Religionsgespräche (Regensburg 1541 und Molsheimer Tagung 1541) |
Gütersloh 2007 |
Cornelis Augustijn |
|
10 |
Schriften zu Ehe und Eherecht (1524-1543) |
Gütersloh 2001 |
Stephen E. Buckwalter |
|
11,1 |
Schriften zur Kölner Reformation (1543) |
Gütersloh 1999 |
Christoph Strohm |
|
11,2 |
Schriften zur Kölner Reformation (1543 und 1545) |
Gütersloh 2003 |
Thomas Wilhelmi |
|
11,3 |
Schriften zur Kölner Reformation (1545) |
Gütersloh 2006 |
Thomas Wilhelmi |
|
12 |
Schriften zu Kirchengütern und zum Basler Universitätsstreit (1538-1540) |
Gütersloh 2007 |
Stephen Buckwalter |
|
13 |
Weitere Unionsschriften 1542-1545 |
- |
Thomas Wilhelmi |
|
14 |
Täufergutachten 1529-1539 |
- |
Stephen Buckwalter |
|
15 |
Schriften im Zusammenhang mit dem Konzil 1545-1546 |
- |
Susanne Haaf |
|
16 |
Letzte deutsche Schriften; Nachträge |
- |
- |
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17 |
Die letzten Straßburger Jahre 1546-1549 |
Gütersloh 1981 |
Werner Bellardi |
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18 |
Korrekturen und Ergänzungen |
- |
- |
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19 |
Gesamtregisterband |
- |
- |
Ausstellungskatalog 2001
Auf der Suche nach der Wiederherstellung der Einheit, Martin Bucer (1491-1551).
Erarbeitet von Albert de Lange unter Mitarbeit von Thomas Wilhelmi;
80 S.; ISBN 3-89735-180-3; 12 Euro
Beispiel
der
Handschrift Martin Bucers
Eigenhändiges Gutachten Martin Bucers zur Aufkündigung des
Eheverlöbnisses:

| 59 r | Ob den Christen zyme, versprochene Eh vff zu sagen:
Von versprochener eh hat Christus noch die Apostolen nichs geleret. Das
wort:
"Welche Gott zu samen gefůgt hat" etc., goht die an, schon ynn die
Ehe zu samen komen sind, wie auch der herr solchs antwort vff die frag
von der
scheydung dere, die schon eyn eh fraw ist, nicht alleyn versprochen. So
dann
besonders nichs von versprochener eh Christus noch die Apostolen leren,
můß man noch gemeyner leer, so wyr von ynenn entpfangen haben, der
woren
bruderlichen lieb vrteylen. Dise nun erfordert, das vnser red sye: Ia,
ia,
neyn, neyn, vnd das wyr ynn allen vsserlichen dingen der oberkeyt
gesatzen vnd
gebreuchen, so ferr die nicht wider Gott, geleben sollen, Math. 5[37]
vnd Ro.
13[1-5], 1. Cor. 13[1-13], Gal. 5[13-14].

Aus dem folget, das noch versprochener eh keyns dem andern soll die
selbig
wider seynen willen vff sagen, ob wol das die keyserlichen recht zu
lossen vnd,
so es vffs vnbillichst geschicht, nicht schwerer straffen dann mit
zwifacher
oder fierfacher widergeltung des, so man vff die eh entpfangen hät, als
mögen ring seyn oder der gleychen, ff. de sponsalib[us]; Co[d.] eodem.
Dann der Christ loßt seyn red ia, ia seyn; Es fiele dann eyn, das er on
seyn eygen gesůch vnd noch worer erwegung der vmbstend nit konde
warten, solche
eh ym zur Gottseligkeyt dienstlich seyn werden: Alß dann mag er
gebrauchen, wes ym die oberkeyt erlaubet, die dann von Gott ist. Dann
Gottes
lieb der menschen lieb soll fur gesetzet werden. | 59 v |

So aber bede willig weren, die versprochen eh vff zu sagen, haben sy
des nicht
weniger macht - sy vnd Gott anzu sehen -, dan so sy eyn ieden andern
pact
gleychs willens eyn ander vff sagten. Dann yn ym selb yst versprechen
der eh
nicht anders dann eyn ander zu sagen, eyn vsserlich ding betreffen;
anders hatt
es Gott auch nie geachtet, wyr haben des keyn wort. Darumb hat keyn
sonder
mensch solchs großer zu machen oder verstricken.
Eyn Christ aber sicht nit alleyn an, was ym von Gott gepür, sonder
auch,
ob es nutz bringe; wa das nicht, meydet er fil, des er wol macht hette,
1. Cor.
9[12].


Nun ists durchs Papsts gesatz, das er doch weder von Gott noch sust
gewalt zu
setzen gehebt hat - Die Eh ist eyn vsserlich ding vnd hört vnder den
keyser,
das ist vsserlichen gewalt -, do hyn kumen, das ob schon zwey guts
willens eyn
ander wolten die eh vffsagen, das es yn on gelt nicht wurdt zu
gelossen, vnd ob
sy es selb, wie sy von Gott vnd keyserlichen rechten vnderstunden, das
sy dem
gemeynen man etwas verdrieß vnd wider willens bewegten. Dem nach, so
eyn
Christ will iederman wolgefallen zum guten
vnd nicht
ansehen, wes ym gepure, sonder weß beßerlich, Ro. 13; 2. Cor. 9, so
wirdt er vmb keyn sach eyn versprochen eh, auch | 60 r | mit gehell
seynes gegen
teyls vffsagen, sy were dann so wichtig, das mer vnrath zu warten were,
so man
solche Eh volstrecket, dann so man sy vffsagte.

Alß dann solte man, vnwillen zu vermeyden der klein verstendigen, solch
vff sagen vor eyner oberkeyt thun, Darumb das keyn recht mensch
filschelten
kan, das die oberkeyt zu losset vnd alß frumen eren leuten zu losset,
Die
weyl auch die weltlich oberkeyt von Christlichen keysern die recht het,
das
gepure, verrsprochene eh vffzu sagen, furnemlich so das mit beder
gehell
geschicht.

Es ist auch eyn grosse vnbillicheyt, von keinen guten erdocht, das, so
keyn
verbundtnusen soll steyffer gehalten werden alß die eh, die auch ewig
seyn soll, nit yn versprechung solcher e, weyter etwas geschehen,
gepuren mag,
das yn allen andernn verbunden, nemlich doch mit gehell seyns
gegenteils solche
vffzu sagen, vnd auch on seyn gehell, so eyn fyel, des gewißlich
hindernn
mocht, an solcher Christlich zu halten.Vnd bevorab ist es vnbillich yn
keysserlichen regimenten, des des Papst vnbillig tyranney hierin mer
gelten
soll dan Christlicher keyser satzung.
